Dämpferzusammenbau 1x1

boggie
Die Dämpfer sind der entscheidende Faktor für die Bodenhaftung deines Fahrzeugs. Die beste Abstimmung von Federn und Ölen ist nutzlos, wenn die Dämpfer undicht sind. Undichtigkeiten entstehen jedoch meist schon beim Zusammenbau. Wenn du dir jetzt die nötige Zeit nimmst, hast du womöglich nie Probleme mit deinen Dämpfern und ein konstantes Fahrverhalten. Machst du den Zusammenbau hingegen husch-husch, hast du beste Chancen auf zerkratzte Kolbenstangen, unsauber laufende Kolben, undichte O-Ringe, ein entsprechend schlechtes Fahrverhalten und in der Folge viel Gefummel.

Als Beispiel dient uns hier ein OFNA Dämpfer. Die meisten anderen sind vom Aufbau her sehr ähnlich.

Als erstes legst du dir die Einzelteile des Dämpfers sauber und geordnet vor dich hin, also Dämpfergehäuse, Deckel, die Membran, die O-Ringe/Dichtungen, den Clip zur Sicherung sowie Kolbenstange, deren Ende, die Kolbenplatte samt Befestigungsmaterial und ggf. die Schutztülle.

Den Zusammenbau beginnst du mit den Dichtungen. Schmiere sie zunächst mit reichlich Associated GREEN SLIME ein ( ich habe bei den Fotos nicht GreenSlime verwendet, sondern Molycote. Für welches schmierende Mittel man sich entscheidet, liegt bei jedem selbst), das ist eine Art Schmier- und Dichtungsmittel. Die Dichtungen sind so dichter und halten länger. Setze beide Dichtungen ein, dann den Plastikring (manche sind auch aus anderem Material), dann den Clip zur Sicherung.

Aufgepasst! Die C-Clips sind meist aus Blech gestanzt. Beim Stanzen bleibt die untere Kante scharfkantig/rechtwinklig, die obere wird durch den Druck der Stanze gerundet. Baue die Clips so ein, dass sie mit der scharfen Kante nach unten in der Nut des Dämpfergehäuses sitzen!

Gibt es bei deinen Dämpfern zwei Ringe, ist die Reihenfolge Ring – Dichtung – Dichtung – Ring. Nicht mit dem GREEN SLIME geizen! Wenn der Clip nicht richtig sitzen will, kannst du vorsichtig mit einem kleinen Schlitz-Schraubendreher nachhelfen. Hat er nicht genug Spannung, biege den Clip etwas auf. Auf gar keinem Fall darfst du aber die Nut, in der der Clip sitzt, beschädigen!

Jetzt nimmst du dir die Kolbenplatte vor. Falls du die Löcher auf ein bestimmtes Maß aufbohren willst oder um weitere Löcher ergänzen willst – jetzt ist der Moment dafür. Ich bevorzuge zB 2x1,4mm Löcher und bohre alle Platten mit kleineren Löchern entsprechend auf. Die Löcher und die Außenkanten der Kolbenplatte müssen absolut sauber und frei von Graten sein. Beim Entfernen der Grate darfst du die Kolbenplatte nicht beschädigen, sie ist das Herz des Dämpfers.

Nun ist es Zeit, die Kolbenplatte zu befestigen. Hierzu hältst du die Kolbenstange mit dem kleineren Gewinde nach oben. Darauf kommt eine Unterlegscheibe, wiederum darauf die Kolbenplatte, dann folgt ev. noch eine kleine Unterlegscheibe, dann eine Mutter – bei OFNA eine Sicherungsmutter mit 2,5mm Innengewinde.

Wer die Kolbenstange verkratzen und beschädigen will, um einen möglichst undichten Dämpfer zu haben, hält sie zum Anziehen der Mutter mit einer Zange fest. Alle anderen bedienen sich folgenden Tricks:

Du nimmst ein etwa 2cm breites und 10cm langes Stück Gewebeklebeband (Panzerklebeband, Gaffaband) und klebst es wie eine Fahne ganz fest um die Kolbenstange.

Nun drehst du die Kolbenstange rechtsherum und wickelst die Fahne fest auf und halte das Ganze schön fest. Nun ziehst du die Mutter an, aber nur so stark, dass sie die Kolbenplatte sicher hält. Mehr staucht die Kolbenplatte nur unnötig.

Ist die Kolbenplatte sicher befestigt, prüfe, ob die Kolbenstange gut ins Gehäuse passt. Stellst du beim Einbau fest, dass die Kolbenplatte sich nur schwer im Gehäuse bewegen lässt (weil sie tatsächlich etwas zu groß ist – kommt vor!), musst du die Kolbenplatte rundum vorsichtig etwas schleifen. Hierzu umwickelst du die Kolbenstange zum Schutz mit Klebeband, spannst sie in einen Dremel (wer hat: Standbohrer) ein und lässt die Kolbenstange seitlich auf Schmirgelpapier laufen. Vorsicht! Nicht zuviel Material wegnehmen!

Stimmt das Maß, entferne das Klebeband und reinige die Kolbenstange sorgfältig vom Kleber, zB mit Zewa und Alkohol oder Aceton.

Bevor du die Kolbenstange mit dem freien Gewinde voran in das Dämpfergehäuse einführst, beschmiere das Gewinde reichlich mit GREEN SLIME, um die empfindlichen Dichtungsringe zu schonen.

Schiebe die Kolbenstange dann vorsichtig durch die Dichtungen ganz in das Gehäuse hinein. Ist die Kolbenstange ganz hineingeschoben, entferne mit etwas Zewa das überschüssige Schmiermittel.

Zum Befestigen des unteren Auges des Dämpfers nimmst du wieder ein etwa 2x10cm großes Stück Gewebeklebeband. Falte das Klebeband mittig über der Kolbenstange, sodass beide Enden noch frei sind.

Halte das Ganze dann etwa 2cm über deinen Zeigefinger, halte die Enden des Klebebands mit Daumen und Mittelfinger.

Nun drehe die Kolbenstange so herum, wie du anschließend das Auge aufschrauben willst: Je nach Sichtweise musst du also, wenn du das Auge rechtsherum aufschrauben willst, die Kolbenstange vorher rechts herum drehen. Durch die Drehbewegung wickelst du das Klebeband auf. Halte es nun ganz fest! So kannst du das Auge problemlos aufschrauben, ohne die Kolbenstange beim Festhalten zu beschädigen. Anschließend entfernst du wieder alle Klebespuren.

Jetzt setzt du die Membran in den Deckel / die Kappe des Stoßdämpfers ein. Je nach Machart des Dämpfers kannst du sie vorsichtig (!) mit einem Werkzeug ohne scharfe Kanten in Position bringen. Schraube die Kappe dann vorsichtig auf das Gehäuse, sodass die Membran ihre endgültige Einbauposition einnimmt. Dann schraube die Kappe wieder ab.

Zum Einfüllen des Öls musst du den Dämpfer sicher senkrecht befestigen. Manch einer baut sich dazu eine Konstruktion aus Eierkarton, andere benutzen spezielle Dämpferständer, wiederum andere halten sie mit mehr Geduld, als ich aufbringen würde, minutenlang ruhig in der Hand.

Die Kolbenstange ziehst du zunächst ganz nach unten aus dem Dämpfer und füllst das Gehäuse etwa halbvoll. Dann bewegst du die Kolbenplatte IM Öl auf und ab, damit Luftblasen unter der Kolbenplatte entweichen können. Wenn keine Blasen mehr aufsteigen, fülle das Dämpfergehäuse bis 3mm unter den oberen Rand. Bewege nochmals langsam die Kolbenplatte und warte wieder, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen und keine mehr im Öl zu sehen sind. Sollte die Kolbenstange aus Versehen aus dem Öl auftauchen, ist es unvermeidlich, dass sie Luftblasen mit ins Öl zieht. Es lohnt sich also, entsprechend besonnen vorzugehen.

Vor dem Aufschrauben der Kappe schiebe die Kolbenstange etwa zur Hälfte ein. Dann schraube die Kappe vorsichtig auf. Im Idealfall kommen alle Kolbenstangen nach dem Zusammenbau von allein wieder 1-2cm heraus, nachdem man sie eingedrückt hat.

Die Montage der Schutztülle (shock boot) gelingt auch viel einfacher, wenn man das Auge des Dämpfers mit GREEN SLIME einschmiert. Die Tülle sollte etwa 2mm am Rand des Auges überlappen und fest in der Nut des Gehäuses sitzen.

Nun kannst du die Feder auf das Gehäuse schieben – ev. gehört ein Ring dazu, sie zusammendrücken und dann vorsichtig die Dämpferteller montieren, ohne die Schutztülle zu beschädigen.

Ich persönlich benutze beides, shock boots und shock socks. Die Gummitüllen schützen die Kolbenstange vor Dreck und die Socken die Federn. Einige haben gute Erfahrungen mit dünnen Luftballons gemacht, von denen sie ein Stück wie eine Gummisocke über die Feder ziehen. Andere berichten, dass sich Luftballons durch das Silikonöl auflösen.

Dank, Lob, Pralinen und Blumen für diesen schönen Beitrag bitte an boggie für die Bilder und ferdi für den Text großes Grinsen





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